KUNST/MITTE Notes

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Jenseits der Unintelligenz

31.07.2020, kompakt redaktion

In eine Schublade stecken lässt sich Danny Frede nicht. Er fühlt sich hinter der Kamera ebenso wohl wie mit der Farbtube in der Hand. Man könnte meinen, der 1982 im thüringischen Sondershausen geborene Künstler müsse noch ein Weilchen experimentieren, bis er seine Linie entdeckt und die Schublade findet, in die er hineinpasst. Doch weit gefehlt. Der Wahl-Kölner weiß genau, was er tut. Er beschäftigt sich in der urbanen Peripherie mit der Übersetzung traditioneller Konzepte von Malerei in die immer mehr von digitalen Prozessen geprägten Sichtweisen des Alltags. Indem er beispielsweise Saugroboter für sich arbeiten lässt. Und nein, damit ist nicht gemeint, dass die Geräte das Atelier, das sich in einer ehemaligen Feilenfabrik in Köln-Porz befindet, von Staub befreien. Danny Frede lässt die Saugroboter „malen“ – und nennt dies „Robotonismus“. Nicht etwa, weil er zu faul ist, selbst den Pinsel zu schwingen. Sondern weil er sich fragt, ob Künstler und andere Berufsgruppen in Zukunft überhaupt noch gebraucht werden. „Wenn die dummen Roboter, die künstliche ‚Unintelligenz‘ schon Kunst, Abstraktionen, spannenden Bilder schaffen können, wozu wird die künstliche Intelligenz einmal in der Lage sein?“

Aber ganz leicht macht sich Danny Frede die Arbeit nicht. Zwar sagt er von sich, dass er den Saugrobotern eine neue Chance als Künstler gebe und eine Auffangstation für verstoßene Geräte sei, aber alle Aufgaben nehmen ihm die elektronischen Putzgeister nicht ab. „Bilderrahmen bauen, grundieren, spachteln – die gesamte Arbeit im Vorfeld, bevor ich überhaupt künstlerisch tätig werde – das alles mache ich selbst. Und das nimmt auch viel Zeit in Anspruch“, erzählt der Thüringer, der im Jahr 2000 nach Köln ging, um seinen Zivildienst zu leisten, und in der Stadt am Rhein hängen blieb. Studieren wollte er nach dem Abitur nicht, also machte er das, wofür er sich begeisterte: Fotografieren und Grafikarbeit. „Ich habe in der Zwischenzeit viel ausprobiert, habe mir mein Wissen selbst angeeignet und mit jedem Auftrag, den ich bekam, hinzugelernt.“ 2015 bezog Danny Frede sein erstes eigenes Atelier in der Feilenfabrik, wo er ausreichend Platz für seine großformatigen Bilder und umherirrende Saugroboter hat.

Doch wie eingangs erwähnt – in eine Schublade stecken kann man den Wahl-Kölner nicht, der die Umsetzung seiner Werke eher akribisch plant, als impulsiv zu handeln. „Ich interessiere mich für Kunst, die ansehnlich, die aber auch mit Gesellschaftskritik verbunden ist“, erklärt der Fotograf, Maler und Grafiker. So entstand beispielsweise inspiriert durch die Zusammenarbeit mit einem Kölner Restaurant eine Fotoserie mit dem Titel „Junge Männer und Schlachtkörper“. „Mit den Inhabern des Restaurants habe ich ein Buch umgesetzt und dabei haben wir ihre Produzenten besucht – kleine Betriebe, kleine Produzenten im Umkreis von 50 Kilometern, die ein ganz anderes Gespür haben für ihre Produkte. Und dabei ist die Idee entstanden, den Tod der Tiere, gepaart mit einer gewissen Ästhetik, sichtbar zu machen – fernab der Supermarkt-Kühlregale.“ (Tina Heinz)

Serielle Rechtecke

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