KUNST/MITTE Notes

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Mehr als DDR-Bettwäsche

24.07.2020, kompakt redaktion

Blau, in all seinen Nuancen – das fällt als erstes auf, wenn man sich Antje Krohns Werke aus den vergangenen Jahren ansieht. Das Meer, der Himmel, die Berge scheinen sich in den Vordergrund zu drängen, auch wenn sie nicht im Fokus des jeweiligen Werks stehen. „Meine Bildideen beziehe ich vorwiegend aus dem alltäglichen Umfeld, aus der Natur und aus spontanen Eingebungen“, schildert die 1973 in München geborene Künstlerin. Schon früh habe Kunst eine bedeutende Rolle in ihrem Leben gespielt – vor allem Bildende Kunst. „Während meiner Schulzeit habe ich einige Praktika absolviert. Bei einer Bildhauerin und einem Maler, später auch bei einem Fotografen. In meiner Freizeit habe ich viele Ausstellungen besucht und dort gezeichnet. Vor allem das Figürliche hatte mich gereizt. So bin ich schon als Jugendliche zum Aktzeichnen in die Kunstakademie in München gegangen.“

Nach einem Jahr Aufenthalt in Vancouver wählte Antje Krohn schließlich Dresden als Studienort. An der Hochschule für Bildende Künste studierte sie Malerei und Grafik und absolvierte im Rahmen eines Stipendiums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes ein Druckgrafik-Studium am Camberwell College of Arts in London, das sie mit dem Master of Arts abschloss. Bis 2008 folgte zudem ein Aufbaustudium in Kunsttherapie, ebenfalls an der HfBK in Dresden. „Während des Studiums wurde die Siebdrucktechnik zu ‚meiner‘ Technik“, berichtet Antje Krohn. „Und nach dem Studium war mir klar, dass ich eine eigene Werkstatt brauche, da ich sehr experimentell arbeite.“

Neben dem Siebdruck ist die Malerei ein Schwerpunkt ihrer Arbeit. „Bereits während des Studiums hatte ich angefangen, auf alten Stoffen zu malen.“ Zunächst übermalte sie die Stoffe komplett, fand aber mit der Zeit Gefallen daran, dem Stoff etwas Raum zu geben und ihn stellenweise durchschimmern zu lassen. „Das ist ein wenig mein Markenzeichen geworden. Früher suchte ich gezielt nach alter DDR-Bettwäsche, da ich eine Serie damit begonnen hatte, und startete einen Aufruf in der Zeitung. Somit war ich ‚die Künstlerin mit der DDR-Bettwäsche‘“.

In ihrem Atelier, beheimatet auf einem Dresdner Industriegelände, dreht sich aber längst nicht alles um Bettwäsche. Ein großer Arbeitstisch, ein Schreibtisch, eine Staffelei und natürlich die Siebdruckwerkstatt befinden sich dort. „Es sieht, denke ich, sehr typisch für ein künstlerisches Atelier aus. Da ich viel Parallel arbeite, ist dies auch zu erkennen.“ Ihre Ideen sammelt Antje Krohn häufig, wenn sie mit dem Fotoapparat unterwegs ist. „Dann fange ich meine Eindrücke in einer Art fotografischem Skizzenbuch ein.“

Eines ihrer Bilder trägt den Titel „Gedankenfrei“. Es hing in einer Ausstellung in Hilden (Nordrhein-Westfalen), wo mehrere Preise ausgelobt wurden. „Mein Bild hat den Publikumspreis gewonnen – und das, obwohl ich niemanden in Hilden kenne“, so die Künstlerin. „Zudem war es auf dem Katalog als Titelbild zusehen. Das hat mich sehr stolz gemacht.“ Und da taucht er wieder auf, der Himmel. Nicht in strahlendem Blau. Eher bedeckt, wolkenverhangen drängt er sich auf, auch wenn die Frau in rotem Kleid das Augenmerk auf sich zieht. (Tina Heinz)

Blumentanz (2019)

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