KUNST/MITTE Notes

Das Web-Magazin für Kunst und Kultur in Mitteldeutschland.

Denkanstöße schaffen

22.07.2020, kompakt redaktion

Das Künstlerische wurde Silvio Ukat nicht in die Wiege gelegt, wie er selbst sagt. „Zwar hatte ich schon als Kind viel Spaß am Malen und Modellieren, aber wirklich talentiert war ich damals nicht“, erzählt der 1972 in Meerane geborene Holzbildhauer und ein leises Lachen schwingt in seiner Stimme mit. „Ehrlich gesagt, habe ich mich auch lange nicht mit diesem Thema auseinandergesetzt. Bis in die 1990 war mir nicht einmal bewusst, dass es dieses Berufsbild überhaupt gibt.“ Erst als er sein Abitur nachgeholt habe, sei er damit in Berührung gekommen. Durch Zufall – weil er eine Mitschülerin an die Kunsthochschule begleitet hat. „Sie interessierte sich für Kunst, hat mich mitgenommen und vor Ort bin ich mit Studenten und Dozenten ins Gespräch gekommen. Und plötzlich tauchte die Begeisterung an dieser Tätigkeit, etwas mit den Händen zu erschaffen, wieder auf.“

Also ging er dieser Begeisterung nach, machte seinen Gesellenbrief als Holzbildhauer und anschließend den Bachelor of fine Arts Bildhauerei. Seit 2005 ist er als freischaffender Künstler tätig und hat sich eine Werkstatt in einem alten Schlachthof in Glauchau, wo er heute lebt, eingerichtet. Bei Wind und Wetter arbeitet Silvio Ukat unter einem großen Vordach – immer im Rhythmus der Sonne. „Sobald es dunkel wird, ist für mich Feierabend. Ich bin auch kein Nachtmensch, der sich unter künstlichem Licht austoben kann“, erzählt der Holzbildhauer, der sein Schaffen eher mit einer groben Sprache in Verbindung bringt. „Ich habe mich anfangs viel mit Ornamenten beschäftigt, aber schnell entdeckt, dass mir das Derbe mehr liegt und dass ich eher gegen den Strich bürste.“ Die Ästhetik des Materials ist dem Sachsen daher auch nicht so wichtig, viel mehr ist es ihm ein Anliegen, auch hässlichem Material Schönheit zu verleihen.

„Ich arbeite nicht nur mit Holz, sondern auch mit Bauschaum oder Versatzstücken aus Horn und Knochen“, sagt Silvio Ukat und erzählt, dass er seine Werke häufig additiv fertigt. „Absägen, an einer anderen Stelle wieder ankleben – es gibt kein strenges, komplettes Bild, das ich von Beginn an im Kopf habe. Ich nähere mich dem fertigen Stück beim Arbeiten und bin so auch gezwungen, Fehler zu akzeptieren und sie in das Gesamtwerk zu integrieren.“ Seine Inspiration schöpft der Holzbildhauer häufig aus der näheren Umgebung. „Dass sich meine Werkstatt in einem alten Schlachthof befindet, beeinflusst mich auch beim Arbeiten – bewusst oder unbewusst.“ So entstehen menschliche Skulpturen, tierische Skulpturen, aber auch Mischwesen, die im Mittelpunkt seiner Ausstellung im Rahmen der Magdeburger „Kunst/Mitte“ stehen werden. „Wenn mehrere Ideen aufeinander treffen, verarbeite ich diese gern zu Fabelwesen.“ Diese ermöglichten es ihm, Gegensätzliches hervorzubringen und Ambivalenzen aufzuzeigen. „Dabei möchte ich mich nicht über diese Gegensätze lustig machen und ich möchte auch nicht den pädagogischen Zeigefinger erheben.“ Vielmehr möchte Silvio Ukat mit seiner Kunst Denkanstöße schaffen und hier und da ironische Seitenhiebe austeilen.

Cybike

PS: Abonnieren Sie unseren Newsletter, wenn wir Sie über Kunst und Kultur in Mitteldeutschland auf dem Laufenden halten sollen.

Newsletter

Hinweise auf neue Beiträge und unsere Kulturtipps erhalten Sie nur über unseren Newsletter: