
Da Vincis Mona Lisa mit Glubschaugen und Hörnchen – klingt für viele skurril, beschreibt Nicole Gersts Kunststil jedoch treffend. Mit dieser “Entstellung” des weltbekannten Werkes, wie es die Medien damals zu bezeichnen mochten, schaffte es die ehemalige Friseursalonbesitzerin das erste mal in eine Sonderausstellung für Streetart-Künstler und Künstlerinnen und ist seitdem aus den Ausstellungsräumen Deutschlands nicht mehr wegzudenken.
Auch die KUNST/MITTE in Magdeburg ist fester Bestandteil ihres Ausstellungs-Terminplans. Mit knapp 30-40 Bildern im Gepäck kommt die Oberhausenerin schon das fünfte Mal mit Vorfreude nach Magdeburg, um ihre Kunst auf der KUNST/MITTE zu präsentieren.
Doch dass es mal soweit kommen könnte, hätte sie nicht gedacht. In dritter Generation war sie als gelernte Friseurin tätig und führte 25 Jahre einen eigenen Salon. Mit der Ausnahme, ihre Wände mit Ornamenten zu verzieren, arbeitete sie jahrelang nur auf Wunsch der Kundschaft – was bleibt einem Friseur anderes übrig.
Schließlich entschied sie sich, ihre Kunst bei einem Trödelmarkt anzubieten – bis ein Galerist sie entdeckte und das Ganze ins Rollen kam.
Nachdem Gerst die Kunst vor einigen Jahren zu ihrer Haupttätigkeit machte, wandte sich das Blatt und ihre Fantasie kam in Form von kleinen Figuren mit großen Augen auf die Leinwand. In ihrem Fall eingefasst in vergoldeten Holzrahmen, die sie vintage erwirbt und sich vom Schreiner mit eingefügten Holzlatten malfertig machen lässt.
Ihr gefestigter Comic-Stil zieht sich durch ihre Kunst-Serien. Das stellt sie aktuell mit geschichtlichen Figuren unter Beweis. So kann es durchaus vorkommen, dass Kaiser Otto mit fehlenden Körperteilen zum Abbild wird oder sich König Richard zur skurrilen Kunstfigur verwandelt.
Die Künstlerin setzte sich mit der Historie und einigen Schriftwerken auseinander und fand ihre Muse. Gerst stellte fest, „dass die Menschheit nichts gelernt hat. Die Dinge im Comic-Stil zu verarbeiten, macht es leichter und freundlicher.”
Damit möchte sie ihrem Publikum nicht nur einen leichteren Einstieg in Geschichtswissen und Goethes Literatur ermöglichen, sondern die Menschen zum Hingucken animieren. “Wenn es anders ist, als es sein müsste, ist es interessant”, so die Künstlerin. Maßstabsgetreu zu malen, kommt für Gerst nicht in Frage. Mal fehlt eine Hand, die Nase oder ein Auge. Es ist nämlich die Bizarrheit und die Unperfektheit ihrer Werke, die ein Spiegel unserer selbst ist. Und genau diese Bizarrheit stößt in Magdeburg auf besonders gute Resonanz.
Die KUNST/MITTE war Gersts erste große Messe, warum sich Magdeburg für sie nahezu wie ein zu Hause anfühlt. Wir sind gespannt, mit welchen skurrilen und ausgefallenen Bildern sie die Messehalle Magdeburgs dieses Jahr schmückt und auf was sich die Magdeburger Fans freuen können. (Soraya Damer)
PS: Abonnieren Sie unseren Newsletter, wenn wir Sie über Kunst und Kultur in Mitteldeutschland auf dem Laufenden halten sollen.