KUNST/MITTE Notes

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Städte in Lagen

28.07.2020, kompakt redaktion

Man muss schon genauer hinschauen, um Gabriele Rothweilers Fotografien und Collagen zu entdecken und zu verstehen. Ein flüchtiger Blick reicht nicht aus, die Werke in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Details blieben verborgen, würde man sich nicht die Zeit für einen zweiten, genaueren Blick nehmen. In einigen Fällen kommt der Betrachter schnell dahinter, was er vor sich sieht – beispielsweise, wenn die Elbphilharmonie in Hamburg oder das Parlamentsgebäude in Budapest die gesamte Fläche des Werkes einnimmt. In anderen Fällen wiederum vermag der weit gereiste Kenner nicht zu verorten, an welchem Ort, in welcher Metropole das Foto aufgenommen wurde. Unschärfe, sich auflösende Konturen, Überlagerungen erzeugen Spannung und regen die Fantasie an.

Zwar reist Gabriele Rothweiler gern und viel. Die Werke, die dabei entstehen, sind jedoch mehr als hübsch anzusehende Reisefotografien. Die Fotografin, Malerin und Installationskünstlerin, die in Dießen am Ammersee lebt und eine Galerie in München unterhält, vermag es, unterschiedliche Sichtweisen in ihre Werke zu projizieren. „Wenn man sich auf diese Art mit einer Stadt beschäftigt, lernt man sie anders kennen“, erzählt die 53-Jährige, die die Fotografie zunächst als Hobby für sich entdeckte und darauf aufbauend Assistenzen und eine Ausbildung samt Gesellenprüfung absolvierte und sich auch im Kunstbereich weiterbildete. „Und ein Ziel meiner Arbeit ist es, Gefühle, die diese Orte bei mir hinterlassen, in meinen Bildern zu zeigen.“

Angefangen habe alles in New York. Dort sei ihr die Idee zu ihrer Serie „CityLight“ gekommen. „Als ich nachts in dieser unglaublich geschäftigen Stadt unterwegs war, wurde ich von den Einflüssen – die vielen Menschen, überall Licht, die klaren Linien der Gebäude – inspiriert“, schildert Gabriele Rothweiler. „Und irgendwann, nachdem die New-York-Bilder entstanden waren, kam jemand vom Rumänischen Generalkonsulat in München auf mich zu und fragte, ob ich mir nicht vorstellen könnte, eine solche Serie in Bukarest umzusetzen.“ Sie konnte. Und weitere „CityLight“-Serien in Städten wie Lyon, Nizza, Wien, Berlin, Hamburg, Budapest und natürlich München sollten folgen.

Die Überlagerungen, die ein Markenzeichen ihrer Werke sind, kommen nicht nur in ihren Städte-Serien zum Tragen. „Das hat sich aus dem Experimentieren bei der analogen Arbeit heraus entwickelt, denn ich mache auch heute noch vieles analog – beziehungsweise oft ist es eine Mischung aus analoger und digitaler Arbeit“, erklärt Gabriele Rothweiler. Aus einer „Spielerei“ sei so ein stilistisches Mittel entstanden. In ihrer Serie „Sex in my City“ zeigt sie Überlagerungen von Städteaufnahmen und Aktfotografien von Frauen. Und in ihrer Blumenserie hat sie mit dem Scanner erstellte Pflanzen-Aufnahmen übereinander gelagert und so skurrile florale Bilder erzeugt. Diese und andere Werke wird Gabriele Rothweiler auch bei der Messe „Kunst/Mitte“ im September in Magdeburg zeigen. (Tina Heinz)

Jane in Paris

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