KUNST/MITTE Notes

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Der Tonspur folgen

Sie scheinen wie aus dem Boden gewachsen. Gleich im Eingang des Kunstmuseums begegnet man ihnen. Viele bemerken sie vielleicht gar nicht. Der kleine schwarze Wald zieht sich entlang der Wände, ohne sich visuell in den Vordergrund zu drängen. Es ist vielleicht eben diese irgendwie vermeintliche Natürlichkeit, die viele Arbeiten Robin Minards kennzeichnet.

Hinzu kommt, dass man ihnen nicht ausgeliefert ist. Sie drängen sich nicht auf und zwingen auch nicht zur Eile. Sensibilität und Neugier, Lust am Hören und im wörtlichen Sinne leise Töne sind vielmehr das, was sie auszeichnet. Deshalb sind sie leicht zu überhören, in einer Umwelt, die von Lärm durchdrungen ist, den die technische Entwicklung ungebeten mit sich bringt.

Von der zirpenden, raschelnden, leise rauschenden Kulisse im Eingang gelangt man in den Hof und hört aus der Ferne etwas, das an das Anrollen von Wellen an das Ufer erinnert. Vorher  sieht man sich jedoch im Kreis angeordneten Lautsprechern gegenüber, die eine rotierende Kugel widerzugeben scheinen. Den Kreis kann man jedoch, mit Robin Minard, auch als Rose betrachten, ähnlich den Glasfenstern in den gotischen Kathedralen, durch die das Licht in den Raum flutete und diesen zugleich verwandelte.

Dem Wellengeräusch begegnet man an fast jeder Stelle im Innenhof. Ausgangspunkt sind drei blaue Klangsäulen auf dem Rasen. Eine identische Installation gab es bereits 1996, als Robin Minard zum ersten Mal im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen zu Gast war. Wie damals, findet man seine Arbeiten nicht (nur) in den für Ausstellungen typischen Räumen.

Die Klangbücher im Foyer bleiben diesmal leider stumm, denn im benachbarten Raum ist das tiefe Grollen eines Wasserfalls zu hören, der sich pausenlos auf einer Leinwand ergießt. Von hier aus führt der Weg in die Medienlounge. Sie hat der kanadische Künstler in einen blauen Raum verwandelt. Fragt man Kinder, dann sagen sie sofort, man sei hier im Himmel. Falsch ist das sicher nicht. Auf einem Hügel von Kissen kann man sich niederlassen und sich in eine Komposition—Silence Blue—hineinhören, die dem sphärischen Charakter des Raumes akustische Facetten hinzufügt.

Es ist wirklich spektakulär, wie scheinbar mühelos sich die Installationen in das Museum einfügen. Lässt man sich auf sie ein, schenken sie ein Klangerlebnis, wie man es weder im Konzertsaal noch anderswo findet. Schon jetzt mag man nicht daran denken, wie die Räume ohne die akustischen Interventionen sein werden.

Auf dem Rundgang war mit Ihnen Uwe Förster. Noch bis zum 18. Februar 2018 können Sie die Ausstellung Robin Minard, Works with Sound_Arbeiten mit Klang von 1984 bis heute erleben. Wo? Im Kunstmuseum Magdeburg.

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