SPRECHSTUNDE
Performance von Lisa Schwermer-Funke

Das kastige Strebenkonstrukt auf vier Beinen birgt zwei filzumspannte Kammern.  Ich stehe aufrecht und erwartungsvoll auf einer Seite, den Blick in Richtung der gegenüberliegenden Kammer gerichtet. Dort ist Raum für eine weitere Person – den Besucher. Ein Dahergelaufener nimmt hier stehend Platz und entdeckt still, von bergendem Filz umgeben, eine schlichte Handlungsanweisung: Sag mir ein Wort.

 

Der Besucher gibt mir das Stichwort, das stechende, um das meine Gedanken zu kreisen beginnen. Der äußere, sprachliche Impuls ist Anreiz und Auslöser des inneren Entstehungsprozesses. Ich verfolge meine eigenen Eingebungen und begebe mich formulierend aufs gedankliche Glatteis, knüpfe Satz für Satz neu und immer wieder an Vorhergegangenes an. Ich durchforste mein Innen nach Verbindungen und nähere mich assoziativ dem Wesen des eingeworfenen Begriffs. In der intensiven Unmittelbarkeit des Moments wird Skulptur, was sich sprachlich formiert und flüchtig in der  verbindenden Präsenz der  Individuen wirkt.

Lisa Schwermer-Funke (*1991) studierte Kunst (Lehramt) an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und Französisch an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Ihre künstlerischen Arbeiten entfalten sich im Spannungsfeld von Performance, Skulptur, situativer Poesie und Inszenierung. Sprache und Begegnung werden wie Bauschaum und Farbe künstlerisches Material, Prozesse des Formens und Formulierens zu sozialen Gestaltungsprozessen. Zentral ist der Dialog als künstlerische Haltung und Praxis.